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Blogbeitrag "Webinar Technik"

Fernunterricht, online Meetings, virtuelle Konferenzen, Webinare: alles Begriffe, die das letzte Jahr geprägt haben. Welche Technik steckt dahinter und was braucht man, damit all diese Dinge reibungslos funktionieren?

Dieser Artikel beleuchtet für einmal die Hardware, und nicht die verschiedenen Tools und unzähligen Plattformen, die bei online Veranstaltungen zum Einsatz kommen. Wir wollen insbesondere die folgenden zwei Bereiche genauer anschauen: welche generellen Herausforderungen sind zu meistern, welche Hardware benötigen die Studierenden und die Dozierenden? 

Generelle Herausforderungen
Beim Wechsel zum Remote Unterricht, bei dem die Dozierenden hauptsächlich aus dem heimischen Home-Office zu unterrichten begannen und die Studierenden am Unterricht „live“ mit der Webcam teilnahmen, zeigte sich, dass viele Internet Anschlüsse dieser neuen Datenbelastung nicht immer gewachsen waren. Denn im privaten Umfeld ist die Downstream- oft viel besser als die Upstreamgeschwindigkeit. Wenn in einem Haushalt mehrere Personen gleichzeitig Netflix schauen, Spotify hören im Internet surfen und Chatten, dann kann es für einen Videostream plötzlich eng werden. Auch das heimische WLAN kann zu einem Flaschenhals werden, wenn noch dutzende andere Geräte im Haushalt gleichzeitig eingeloggt sind. Das zeigt sich dann in Aussetzern, ruckliger oder abgehakter Übertragung sowie Unterbrüchen und herabgesetzter Bildqualität. Viele online Tools setzen zuerst die Bildqualität herunter, um mehr Bandbreite zur Verfügung zu haben. Die Übertragung des Tons wird möglichst lange aufrechterhalten. Daher sieht man in Meetings manchmal diese „eingefrorene Personen“, die aber noch fröhlich weiterreden. 

Für eine qualitativ hochwertige Übertragung in Full HD benötigt man eine Bandbreite zwischen 5 und 7 MBit/s, pro Stream. Wenn diese Bandbreite allein zur Verfügung steht, reicht in der Regel eine normale Internet-Anbindung. Wenn aber im Haushalt mehrere Personen gleichzeitig in ähnlicher Form das Internet nutzen, dann kann es eng werden. Eine Stunde Fernunterricht in FullHD (1920x1080) erzeugt immerhin rund 2,25GB Daten! 

Empfehlung: mit 500 MBit Downstream und 100 MBit Upstream erhält ein Haushalt genügend Bandbreite. Die zukunftssicherste Lösung ist ein symmetrischer Up- und Downstream, also gleiche Bandbreite in beide Richtungen. Das bieten aktuell jedoch nur Glasfaseranschlüsse, dafür gleich im GBit-Bereich. Ausserdem empfiehlt es sich, Notebook oder Computer nicht über WLAN mit dem Internet zu verbinden, sondern wenn immer möglich kabelgebunden über das heimische Netzwerk. 

Eine stabile Internetanbindung mit genügend Bandbreite bildet also einen zentralen Bestandteil für alle „Remote-Tätigkeiten“. 

Was benötigen Studierende?
Hier spielt die Internetanbindung eine etwas untergeordnete Rolle. Zur Not lässt sich ein Unterricht auch via 4G auf einem Smartphone mitverfolgen. Sobald aber wirklich interaktiv gearbeitet werden soll, mit virtuellen Gruppenräumen, Screensharing etc. dann steigen auch bei den Studierenden die Anforderungen an eine zweckmässige Hardware. 

Ein Notebook oder Desktop und ein Smartphone gehören heute zur Standardausstattung. Damit lässt sich ein digitaler Unterricht schon bereits sehr gut verfolgen. Komfortabler wird es mit einem zweiten grösseren Monitor. Dann lassen sich Dokumente komfortabel darstellen und bearbeiten. Vor dem Kauf gilt es zu prüfen, über welche Anschlussmöglichkeiten die bestehende Hardware verfügt (HDMI, USB C, Thunderbolt…). Sowohl Windows wie auch Mac bieten betriebssystemseitig die Möglichkeit, die Desktopoberfläche auf weitere Monitore zu erweitern. In den neueren Versionen sogar kabellos über W-Lan. 

Auch Tablets eignen sich für die Teilnahme am digitalen Unterricht hervorragend. Hier empfiehlt sich jedoch ein leistungsfähiges Gerät mit hoher Bildschirmauflösung, guter Stifteingabe und der Option, eine externe Tastatur anzuschliessen. Vor allem Apples iPad pro erfüllt diese Anforderungen sehr gut. Auch Hybridnotebooks, die sich gleichzeitig als Notebook und Tablet verwenden lassen, wie z.B. Microsofts Surface-Reihe vereinen das Beste aus den beiden Welten. Der Vorteil dieser Geräte liegt in der Mobilität und Handlichkeit. Für den mobilen Zugang ins Internet ausserhalb von Orten mit W-Lan empfiehlt sich eine SIM- oder eSIM-Option, bzw. die Nutzung des Smartphones als Hotspot. Damit ist man selbst auf einer Parkbank mit dabei. 

Weitere Geräte wie Scanner, Drucker oder eine zusätzliche externe Webcam sind für die Teilnahme am digitalen Unterricht nicht zwingend notwendig. Für das Digitalisieren von Dokumenten oder Notizen eignet sich das Smartphone mit einer Scanner-App wie Adobe Scan oder Microsoft Lens für Android oder iOS) sehr gut. Fotografierte Dokumente lassen sich so bequem direkt an den gewünschten Ort hochladen und dort weiterverarbeiten. Auf diese Weise können auch von Hand gelöste Prüfungen direkt wieder in die Lernplattform hochgeladen und durch Dozierende korrigiert werden. 

Was benötigen Unterrichtende?
Für einen qualitativ hochwertigen und abwechslungsreichen digitalen Unterricht steigen die Ansprüche an die Hardware. Ein Notebook mit integrierter Webcam reicht dazu nicht aus. Zu gross sind die Einschränkungen in Bezug auf die Bild- und Tonqualität, auf die Übersichtlichkeit sowie das Handling und die Methodenwahl. 

Zu empfehlen ist mindestens ein zweiter Monitor, damit der Arbeits- vom Videobereich getrennt dargestellt werden kann. Zusätzlich kann ein via Screensharing freigegebenes Tablet als digitaler Notizblock und Visualisierungshilfe eingesetzt werden. Nützlich kann auch ein USB-Visualizer (z.B. AVerVision U50 von Aver)sein, mit dem neben Schrift auch dreidimensionale Objekte auf dem Tisch gezeigt werden können. Hat man verschiedene Eingabegeräte lohnt es sich jedoch schon bald zu AV-Switchern (z.B. ATEM Mini vom Blackmagic) zu wechseln und alle diese Geräte via HDMI anzuschliessen. Damit lassen sich die Quellen dann ausserhalb der Übertragungssoftware (TEAMS, Zoom, etc.) direkt ansteuern. Damit legt man jedoch den Grundstein zu einem professionellen Setup. Mehr dazu als Ausblick am Ende dieses Blogbeitrags. 

Obwohl beim digitalen Unterricht oft vermeintlich das übertragene Bild im Vordergrund steht, ist eine qualitativ einwandfreie Audioübertragung und damit eine perfekte Verständlichkeit, viel entscheidender. Die in Notebooks oder Computern verbauten Kameras und Mikrofone können zwar beides, aber oft nur in ungenügender Qualität. Hier lohnt es sich definitiv, in eine externe USB-Webcam mit integriertem Mikrofon (z.B. C920 von Logitech, oder LifeCam Studio von Microsoft) zu investieren. Die Audioübertragung wird noch besser mit einem externen USB-Mikrofon (z.B. MV5 von ShureBlue YetiNT USB von Rode) oder einem USB-Headset (z.B. kabelgebunden H390 von Logitech oder kabellos Evolve 75E von Jabra . Die Studierenden am anderen Ende werden den Unterschied bemerken und begrüssen. 

Der Vorteil eines kabellosen Headsets besteht zudem darin, dass man sich frei vor der Webcam bewegen kann. Falls man mit physischen Whiteboards oder Flipcharts arbeitet, bleibt die Audioqualität unverändert, auch wenn man sich etwas weiter von der Webcam und deren Mikrofon entfernt. Bei dieser Arbeitsweise können auch PTZ-Kameras, welche einer Person entweder elektronisch oder physisch folgen, eine Alternative sein. Ein preiswertes Einstiegsmodell ist die Tiny PTZ von Osbot. Diese lässt sich sogar mit Gestensteuerung Ein- und Auszoomen. 

Abrunden kann man ein solches semi-professionelles Setup noch mit einer ergänzenden Lichtquelle, welche für eine bessere Ausleuchtung sorgt (z.B. Key Light von Elgato) und einen rollbaren GreenScreen (z.B. Mobile Lite Chroma Key Green Screen von Celexon) womit sich professionelle virtuelle Hintergründe ohne fehlende Ohren, Brillen oder Haarteile erzielen lassen. 

Der nächste Schritt ist dann ein Upgrade in Richtung professionelle DSLR Kameras, Studiomikrofone, Softboxen für die Beleuchtung, Teleprompter sowie Video- und Audiomischpulte damit die Signale für die Verarbeitung im Computer gewandelt werden können. Hier trifft dann professionelle Bild, Video- und Tontechnik auf Computertechnik. Das beginnt mit schon unterschiedlichen Kabelanschlüssen wie HDMI, XLR, SDI etc. und endet in nicht so trivialen Herausforderungen wie Latenzzeiten, wenn das Audiosignal gegenüber dem Videosignal um einige Frames verzögert ausgegeben wird. Doch dazu mehr in einem späteren Blogbeitrag. 

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